Heute hat Tahiti mir gezeigt, dass Pläne hier nur lose Absprachen sind. Der Regen begann früh, noch vor dem eigentlichen Start in den Tag, und er blieb. Nicht als durchgehender Vorhang, sondern als ständiger Kommentar von oben – mal laut, mal leise, aber immer bestimmend.
Ich war bereit für meinen ersten Drehtag an den historischen Schauplätzen von James Cooks zweiter Weltumseglung. Kamera, Route, Gedanken – alles sortiert. Doch schon nach dem Frühstück machte ein heftiger Regenguss klar, dass es heute nicht um Effizienz gehen würde. Ich wartete, der Regen ließ nach, ich fuhr los. Und drehte um, bevor ich überhaupt ankam. Der Himmel hatte seine Meinung geändert.
Zurück in der Unterkunft schien Joggen eine gute Idee. Ein bisschen Nieselregen, dachte ich. Ein Kilometer später brannte die Sonne, die Luft stand, mein Atem wurde schwer, und ein Sonnenbrand stellte sich ein, noch bevor der Vormittag richtig begonnen hatte. Mein Körper und das Klima waren sich heute nicht einig.
Erst später, nass geschwitzt und ein wenig zerknirscht, öffnete sich der Tag. Ich fuhr zur Matavai-Bucht, jenem Ort, an dem James Cook und Georg Forster Zeit auf Tahiti verbrachten. Geschichte liegt hier offen in der Landschaft, ruhig und selbstverständlich. Am Point Venus setzte sich dieses Gefühl fort. Orte, die nicht laut erzählen müssen, um präsent zu sein.
Weil es plötzlich lief, fuhr ich weiter. Entlang der Ostküste, über die schmale Landenge nach Tahiti Iti, dann an der Westküste wieder zurück. Ein kompletter Blick auf die Insel – grün, weit, überwältigend. Es gibt Landschaften, die wirken nicht real, sondern wie ein Versprechen.
Am Abend saß ich bei einem kleinen Straßenrestaurant, aß Schwertfisch, hörte zu, schaute, und ließ den Tag nachklingen. Nicht alles hatte funktioniert. Vieles war anders gekommen. Aber genau darin lag seine Qualität.
Jetzt, nahe der Datumsgrenze, fühlt sich Zeit ohnehin relativ an. Während anderswo längst gefeiert wird, rückt hier ein spätes Silvester näher. Tahiti scheint auch dem Kalender nicht zu trauen.
Heute hat nicht der Plan gewonnen. Sondern der Moment.