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Reisetagebuch

Tahiti: Wiedersehen

Rauer Seegang, wenig Schlaf und ein Wiedersehen im Hafen: Tag 27 bringt mich zurück nach Tahiti.

Die Nacht war laut. Heftiger Regen prasselte stundenlang herab, begleitet von starken Böen. Durch das offene Fenster drang alles ungefiltert hinein. Mehrmals bin ich aufgewacht, und als es dämmerte, war klar: erholt war ich nicht.

Am späten Vormittag ging es mit der Fähre von Huahine zurück nach Tahiti. Das Brummen der Maschinen begleitete mich über die gesamte Überfahrt. Beim Verlassen des Riffs waren die Wellen bereits deutlich zu spüren. Trotzdem blieb die Fahrt insgesamt ruhig. Die Inseln Polynesiens – auch Huahine – sind vulkanischen Ursprungs. Sie ragen steil aus der Tiefsee empor, und nur wenige hundert Meter vor der Küste fällt der Meeresboden abrupt ab. Dadurch bauen sich die Wellen auf offener Strecke anders auf als in flacheren Gewässern. Die Fähre schaukelte gleichmäßig, fast monoton.

Ich hörte Musik und holte mir noch eine Stunde Schlaf. Die Ankunft in Tahiti verzögerte sich, aber das spielte heute keine große Rolle. Reisen hat selten etwas mit Pünktlichkeit zu tun.

Überfahrt von Huahine nach Tahiti, Südsee bei rauem Seegang.
Überfahrt von Huahine nach Tahiti, Südsee bei rauem Seegang. 

Der schönste Moment des Tages kam unerwartet. Im Hafen, auf dem Weg zur Bushaltestelle, klopfte mir jemand auf die Schulter. Es war Marin, der junge französische Seefahrer, den ich auf Raiatea kennengelernt hatte. Ein Wiedersehen, mit dem ich nicht gerechnet hatte – und das genau deshalb hängen blieb. Anders als ich hat er seinen Plan, zu den Marquesas zu segeln, aufgegeben. Er reist weiter nach Neuseeland, um dort zu arbeiten. Ob er noch einmal zur See zurückkehren wird, ist offen.

Auf den letzten Metern zu meiner Unterkunft setzte erneut ein Platzregen ein. Diesmal war ich vorbereitet. Der Regenponcho hing griffbereit außen am Rucksack und war in wenigen Sekunden übergezogen.

Für die Nacht bin ich schlicht untergebracht: ein Zehnerschlafsaal mit Stockbetten, eine Außenküche, ein Gemeinschaftsbad. Nicht komfortabel, aber ausreichend. Und morgen wartet auf Tahiti bereits ein kleiner Plan, der mir etwas mehr Bequemlichkeit verschaffen soll.

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Jessica Welt

Seit etwa drei Jahren lasse ich auf meinen Reisen einen GPS-Tracker mitlaufen und füge alle zurückgelegten Routen in diese Karte ein. Strecken, die ich auf dem Landweg zurückgelegt habe, kennzeichne ich orange, welche, die ich zu Fuß gelaufen bin in grün und die, die ich auf dem Wasser per Boot oder Schiff bewältigt blau.