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Reisetagebuch

Dschungelglück auf Taha’a – eine Inselquerung zwischen Irrweg und Ankommen

Ein falscher Strand, ein verschwundener Pfad und stundenlanger Kampf durch den Dschungel.
 Am Ende: Musik, Erschöpfung – und ein stilles Glück auf Taha’a.

Der Tag begann früh, noch im Morgengrauen. Das Ziel war klar: die Nachbarinsel Taha’a, zu Fuß von Norden nach Süden, durch die Berge, auf einem Weg, wie ihn vielleicht schon Georg Forster gegangen ist. Doch wie so oft unterwegs begann alles mit einer Verzögerung. Eine störrische Internetverbindung hielt mich länger fest als geplant, und aus einem frühen Aufbruch wurde ein später.

Am Hafen lag ein Kreuzfahrtschiff. Auf meine Frage nach dem Bootstaxi bekam ich erst einen abwinkenden Kommentar: Auf Taha’a gäbe es nichts zu sehen. Als klar war, dass ich kein Kreuzfahrtgast bin, änderte sich der Ton. Wenig später setzte mich das Boot an einem Strand ab – nur leider an dem falschen. Ich war gestrandet, genau dort, wo ich gar nicht hinwollte. Das war der nicht so schöne Moment dieses Tages.

Falsch gestrandet. Durchgekämpft. Glücklich angekommen.
Falsch gestrandet. Durchgekämpft. Glücklich angekommen.

Um doch noch zu meinem Ausgangspunkt zu kommen, nahm ich ein Taxi. Es wurde eine unfreiwillige Rundfahrt um die halbe Insel. Dafür lief im Radio plötzlich genau das Lied, das mir seit Silvester auf Tahiti nicht mehr aus dem Kopf geht und das ich bisher nie wiedergefunden hatte. Manchmal kommen die richtigen Dinge zur falschen Zeit – oder genau zur richtigen.

Im Norden begann schließlich die Wanderung. Ein matschiger Pfad führte bergauf. Als ich erstmals auf die Südseite blickte, auf die Bucht Ha-a-Meno, verschwand der Weg. Einfach weg. Ich irrte umher, bergauf, bergab, bis ich ihn unter umgestürzten Bäumen wiederentdeckte. Von da an wurde es ernst.

Stundenlang kämpfte ich mich durch den Dschungel. Ranken, Äste, Dutzende gefallene Bäume. Einmal war ich mir nicht mehr sicher, ob ich noch dem Pfad auf dem Boden folgte oder mich schon durch die Baumkronen bewegte. Sogar mein Taschenmesser kam zum Einsatz, um mir den Weg freizuschneiden. Das Bemerkenswerte an diesem Tag war genau dieser Kampf – zäh, fordernd, manchmal zweifelhaft.

Als ich Hühner sah, wusste ich: Menschen können nicht mehr weit sein. Schließlich humpelte ich dreckig und verschwitzt ins Dorf. Im Schatten des Postamts setzte ich mich hin, aß Büchsenfleisch und Cracker, hörte Musik und blickte aufs Meer.

Das war mein schönster Moment: Erschöpfung, Ruhe, Musik – und dieses leise, tiefe Glück, angekommen zu sein.

Morgen ist mein letzter Tag auf Raiatea.

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Jessica Welt

Seit etwa drei Jahren lasse ich auf meinen Reisen einen GPS-Tracker mitlaufen und füge alle zurückgelegten Routen in diese Karte ein. Strecken, die ich auf dem Landweg zurückgelegt habe, kennzeichne ich orange, welche, die ich zu Fuß gelaufen bin in grün und die, die ich auf dem Wasser per Boot oder Schiff bewältigt blau.