Ein Flughafen, eine Stimme aus den Lautsprechern und ein ganzer Tag des Wartens – bevor die Reise in die Südsee überhaupt richtig beginnt.
Die Reise beginnt nicht mit Palmen, sondern mit Neonlicht.
Nach einer Nacht im Fernbus von Frankfurt erreiche ich früh morgens den Flughafen Paris Orly. Mein Körper ist müde, der Kopf schwer, und vor mir liegt ein ganzer Tag des Wartens. Erst am Abend geht der Flug nach San Francisco, von dort weiter Richtung Südsee.
Der Flughafen wird für diesen Tag mein eigener kleiner Kosmos. Ich bleibe, während andere kommen und gehen. Koffer rollen vorbei, Umarmungen lösen sich, Anzeigetafeln flackern. Und immer wieder diese eine Lautsprecherdurchsage auf Französisch, die alle zwanzig Minuten daran erinnert, das Gepäck nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Sie wird zum Rhythmus des Tages, fast zu einem Hintergrundpuls.
Ein Moment trifft mich besonders. Ein kleines Mädchen sitzt still auf einem Gepäckwagen, in dicke Decken gehüllt, der Körper vom Fieber geschüttelt. Die Eltern halten sie fest, auf dem Weg in ihre karibische Heimat. Sie weint leise, erschöpft. Inmitten all der Reiselust liegt plötzlich so viel Zerbrechlichkeit, dass es mir selbst die Tränen in die Augen treibt.
Später lande ich eher zufällig in einem verborgenen Stockwerk des Flughafens. Warm, ruhig, fast vergessen. Hier lebt eine kleine Gemeinschaft von Menschen, die diesen Ort ihr Zuhause nennen. Einer von ihnen war früher Bauingenieur beim Bau des Flughafens. Geduldig erklärt er mir jede Bauphase. Ich verstehe kaum etwas, nicke höflich und sage immer wieder: Ahh, oui.
Der schönste Moment des Tages ist genau dieses absurde, freundliche Gespräch – ein Lächeln, mitten im Stillstand.
Am Ende dieses ersten Tages weiß ich: Auch Übergangsorte tragen Geschichten in sich. Man muss nur lange genug bleiben, um sie zu hören.
Als Nächstes wartet der Flug nach San Francisco.
Und dann geht es Schritt für Schritt weiter Richtung Südsee.
Meine Reisetagebuch Südsee-Blitzlichter zum Hören gibt es hier