Gestern war nach langer Anreise an die Nordspitze des Comer Sees erst spät ins Bett gekommen. Dies steht in einer gemütlichen, reinlichen Hütte auf einem Campingplatz am Ortsrand von Gera Lario. Allerdings ist es ein Stockbett und ich schlafe unten. Als man das Bettgestell konzipiert hatte, waren die Menschen wohl kleiner und offenbar auch lederhäutiger. Denn stößt man von unten an die Bettunterseite, kann man sich leicht die Haut an dem Drahtgeflecht der Federung mit spitzen, scharfen Kanten aufreißen. Dafür bieten die umgebogenen Drahtenden zahlreiche Möglichkeiten um allnächtliche Utensilien wie beispielsweise meine Stirnlampe, Ohrenstöpsel und Handy griffbereit zu befestigen. Diese Gelgenheit nutze ich gerne und knüpfe damit an meine letzte Reise an, als ich vor einigen Wochen auf dem Segelschulschiff "Alexander von Humboldt II" über die Nordsee gesegelt war. Dort waren in meiner Koje auch mehrer Haken vorhanden, so dass es mir gelungen war, meine Kleidung, sowie ständig benötige Gegenstände wie Trinkflasche, Sonnenbrille und sogar den Waschbeutel und die Kameratasche frei schwingend in Reichweite zu befestigen.
Vor der Hütte befinden sich ein Kühlschrank, ein Gasherd und ein Waschbecken unter einem zwei Meter breiten Vordach. Für die Zubereitung der Mahlzeiten und den abendlichen Aufenthalt, um in Ruhe diese Zeilen zu schreiben, ist diese Konstellation vollkommen ausreichend.
Wir hatten beide genau gewusst, dass „zwanzig nach neun“ eine Arbeitshypothese war. Sie bedeutete, dass wir unausgesprochen als wirkliche Abfahrtszeit neun Uhr anpeilten und uns einen Puffer einräumten. Als mein Bruder und ich dann von zu Hause losfuhren, war es fünf nach halb zehn. Hinter uns schwang der Bootsanhänger aus der Einfahrt auf die Straße. Beide spitzen wir die Ohren, um verdächtige Geräusche so früh wie möglich zu hören, die bedeuteten, dass wir trotz gemeinsamer eingehender Inspektion am Anhänger noch etwas übersehen hatten. Das Boot und der Auflieger waren seit Saisonende im letzten Jahr nicht mehr bewegt worden. Äußerlich ist nicht immer abzusehen, ob der Winter nicht doch am Material genagt hatte, dass nun bei der ersten groben Inanspruchnahme seine Schwächen offenbaren würde. Zu unserem Ziel dem Comer See in Norditalien führen mehrere Wege, teilte uns Google Maps mit. Alle nannten als ihre Arbeitshypothese in etwa siebeneinhalb Stunden Fahrzeit. Tatsächlich würden wir nach zehn Stunden Autofahrt unseren Campingplatz am Rande der Ortschaft Gera Lario erreichen.