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Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, verehrte Kolleginnen und Kollegen!Symbolbild von flickr Nutzer Marco Broscheit / Lizenz CC BY 2.0

Wie Herr Kliehm es schon ausgeführt hat, kostet die polizeiliche Ingewahrsamnahme, beispielsweise zur Ausnüchterung, nach der Gebührenordnung des Bundesinnenministeriums 74,15 Euro, wobei jede angefangene Viertelstunde mit 6,51 Euro berechnet wird. In etwa sind das die Beträge pro Zeiteinheit, die man zuvor aufwenden musste, um sich in diesen Zustand hineinzuversetzen, der eine polizeilich begleitete Ausnüchterung erst nötig macht.

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Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin, verehrte Kolleginnen und Kollegen!Videoüberwachung Kamera Burst CC0 Pexels

Die Gesamtzahl der Straftaten an der Kreuzung Allerheiligenstraße/Breite Gasse ist gleich geblieben. So steht es im Evaluationsbericht des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main. Sie ist gleich geblieben, obwohl dort seit dem Mai 2018 durch die Landespolizei eine temporäre Videoüberwachung eingerichtet und in Betrieb genommen wurde. Anders als für die Bildbeobachtungsanlage an der Konstablerwache, Hauptwache, am Hauptbahnhof und in der Taunusstraße ist für die Videoüberwachungsanlage im Allerheiligenviertel eine Evaluation der Wirksamkeit nach einem Jahr vorgesehen. Dieses Jahr ist längst herum und die Zahl der Straftaten und auch die kriminologische Bewertung des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main für das Allerheiligenviertel haben sich nach dem polizeilichen Bekunden kaum verändert.

Ich hätte Sie gerne über die Datumsgrenze gehoben, aber wir haben sowieso noch den Antrag von den LINKEN. Ich mache es deswegen auch kurz.

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,meine verehrten Kolleginnen und Kollegen!

Hätte die Titanic auf den Eisberg zugehalten statt auszuweichen, wäre sie nicht gesunken. Sie hätte weit über der Wasseroberfläche eine Delle im Bug davongetragen. Weil die Schiffsführer aber versuchten, nach Backboard abzudrehen, wurde der Rumpf unter Wasser über 90 Meter aufgerissen. Sie ging unter und ist nur noch eine traurige Geschichte. Schon damals hätte man wissen müssen: Sechs Siebtel eines Eisberges liegen unter Wasser. Das wirkliche Unheil geht von dem nicht sichtbaren Teil aus.

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Vorgestern wurde bekannt, dass die Frankfurter Anwältin erneut einen Drohbrief erhalten hat, der wiederum Bezüge zur Polizei aufweist. Wieder haben wir von diesem Drohschreiben aus der Presse erfahren, während der Öffentlichkeit die Zusammenhänge um den ersten Drohbrief, die Spur, die die Ermittler in das 1. Polizeirevier Frankfurt führte, und die zufällige Aufdeckung einer Gruppe von dort beschäftigten Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, die untereinander rechtsextreme Inhalte verbreiteten, aus ermittlungstaktischen Gründen jeweils vorenthalten wurden. Hier ergibt sich ein unstimmiges Bild der Informationspolitik. Es wird zusätzlich von der Aussage verzerrt, dass auch die Betroffene selbst, trotz mehrmaliger Nachfrage nach den neuen Erkenntnissen, keine Auskünfte erhalten hat. Die Tatsache, dass auch das Hessische Landeskriminalamt nach eigenem Bekunden erst aus der Presse von den Ermittlungsergebnissen des Staatsschutzes erfahren und daraufhin die weiteren Ermittlungen an sich gezogen hat, können wir als GRÜNE nicht als vertrauensbildend bezeichnen.

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Wie passt das Graffiti „Kein Mensch muss Bulle sein“ zur Kampagne des Präventionsrates, die lautet „Frankfurt zeigt Respekt“ und unter anderem die Wertschätzung von Menschen, die ihren Dienst in Uniform versehen, befördern möchte. Ich kann es Ihnen sagen, das passt natürlich nicht.

Ist dieses Graffiti durch die Kunst- beziehungsweise Meinungsfreiheit gedeckt? Ja. Es handelt sich allerdings, Frau Busch hat das eben schon gesagt, um eine aufgesprühte Comicfigur, die übrigens auch eine Pistole auf sich selbst richtet und sich in der Nähe des Polizeirevieres befindet, das zum Ziel der Gewaltexzesse am Tag der EZB-Eröffnung wurde. Es ist durchaus in Zweifel zu ziehen, ob vielleicht der Wunsch nach Provokation dem Streben nach größtmöglicher Ästhetik in diesem Fall überwiegt.

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, verehrte Kolleginnen und Kollegen!

„Was machen Sie da?“, fragen zwei zufällig vorbeifahrende Polizeibeamte meinen arabischen Bekannten, der gerade sein Geschäft in der Frankfurter Innenstadt abschließt. „Ich schließe meinen Laden ab“, antwortet er. „Beweisen Sie, dass es Ihr Laden ist“, fordern die Polizisten. Er schließt das Ladengitter wieder auf, doch das reicht den beiden Beamten nicht, Sie fordern ihn auf, auch die Tür aufzusperren und er muss mit ihnen den Ladenraum betreten. „Jetzt keine falsche Bewegung“, sagen die Polizisten. Erst als er alle Gewerbeunterlagen vorlegt, ist ihnen das Beweis genug. Dieses Beispiel von praktiziertem ethnischen Profiling durch Polizeibeamte schilderte er mir, als wir uns über die Berichte zu einer rechtsextremistischen Clique beim 1. Polizeirevier unterhielten.

Ein Bürger wird Ziel einer polizeilichen Maßnahme, allein auf Basis von Sterotypen sowie äußerlichen Merkmalen und nicht aufgrund konkreter Verdachtsmomente. Die Berichte über solche Vorgehensweisen sind zahlreich. Dass ethnisches Profiling auch in Frankfurt vorkommt, ist deshalb nicht von der Hand zu weisen. Es ist unprofessionell, nicht nur weil es diskriminierend ist, sondern weil es umgekehrt ganze Tätergruppen ignoriert. Genau deswegen wird in der Polizeiausbildung gelehrt, dass es kein probates Mittel ist. Es ist nicht Teil von Einsatzbesprechungen und Dienstanweisungen, und es wird von der Polizeiführung nicht geduldet. Deshalb dürfen wir an dieser Stelle nicht - anders als im Antrag der LINKEN. - von der Polizei als rassistischer Struktur sprechen. Auch der Begriff vom institutionellem Rassismus, den der Verein Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung als „kollektives Versagen einer Organisation, für Menschen bezüglich ihrer Hautfarbe, Kultur, Religion und ethnischen Herkunft professionelle Leistungen zu erbringen“ definiert, trifft hier nicht zu.

Vorwürfe auf Grundlage von Stereotypen, ohne konkrete Verdachtsmomente zu erheben, ist der Polizei untersagt. Es ist aber unter anderem Inhalt des Antrags NR 744 der LINKEN., der Anschuldigungen gegen eine Gruppe von Polizisten nicht nur auf die gesamte Polizeibehörde überträgt, sondern gleichzeitig hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Ordnungsbehörde einfach mit beschuldigt, obwohl diese an dieser Stelle nicht in Rede steht. Aus meiner Sicht ist das rücksichtlos.

Sehr geehrter Stadtverordnetenvorsteher, meine Damen und Herren!

Regelmäßig wurden wir enttäuscht von einem Dezernenten, der aus seinem Desinteresse und Unwillen, sich des Themas E‑Government und Digitalisierung anzunehmen, keinen Hehl machte.
Über Jahre ist viel zu wenig passiert. Und das, obwohl klar war, dass die rechtlichen Verpflichtungen zur Durchführung, Vereinfachung und Unterstützung durch den Einsatz von digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie der Anspruch der Bürgerinnen und Bürger an eine moderne Stadtverwaltung zu den größten Herausforderungen zählen. Deshalb waren wir froh, als die Amtszeit des Dezernenten Volker Stein endete und Jan Schneider diese Aufgabe mit Überzeugung, Offenheit und Motivation annahm.

Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin, verehrte Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren an den digitalen Empfangsgeräten!

Herr Stadtrat Schneider hat schon richtig gesagt, dass die Tagesordnung es will, dass ich zu Ihnen spreche, aber nur kurz und zwar Folgendes: Der Hackerangriff auf den Onlinekatalog der Stadtbücherei vor gerade einmal zwei Wochen und die Aufdeckung eines Datenlecks bei der Online‑Beantragung des Bewohnerparkausweises früher in diesem Jahr haben uns gezeigt, wie notwendig es ist, dass neben der Schaffung von Online‑Bürgerserviceangeboten auch das parallele Mitwachsen der IT‑Sicherheit dieser Angebote stattfindet. Längst sind nämlich die städtischen Systeme täglich unzähligen Angriffen ausgesetzt. Die Konsolidierung, das heißt das Zusammenführen der bis dahin über die städtischen Ämter und Dezernate verteilten Serverinfrastruktur, war deshalb nicht nur die Kür für IT‑Schöngeister, sondern notwendige Voraussetzung einer sicheren Fortführung der Frankfurter E‑Government‑Strategie, wogegen übrigens nicht wenige Ämter und Dezernate in ihrem Widerstreben große Fähigkeit bewiesen haben.

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Was haben ein Grönlandwal und eine Plastikflasche gemeinsam? Beide werden 100 Jahre alt und leben im Meer. Sie werden jetzt sagen, den Spruch hat sie vom Mülleimer, und ich sagen Ihnen, das stimmt. Das ist nämlich einer der Clean Facts, die auf den 739 zusätzlichen Müllkörben stehen, die wir im Rahmen der Kampagne cleanffm im Frankfurter Stadtgebiet aufgestellt haben. Zweieinhalb Millionen Euro haben wir als Stadt für zusätzliche Mülleimer, Reinigungstouren und mehr Personal in die Hand genommen. Die Bürgerinnen und Bürger freuen sich darüber. Denn Sauberkeit erhöht die Lebensqualität und entsprechend positiv wurde die cleanffm-Initiative aufgenommen. Fakt ist aber leider auch, dass sich jeder über Sauberkeit vor der eigenen Haustür freut - vor der Haustür der anderen oder im Park kann die Plastikflasche oder die Alu-Grillschale aber ruhig einmal liegen bleiben.

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Die Einhaltung von Tarifvereinbarungen in Bezug auf soziale Verantwortung, Entlohnung, Arbeitszeitmodelle, Familienfreundlichkeit und Beschäftigungsverhältnisse muss für die Stadt Frankfurt als öffentliche Arbeitgeberin als übergeordnetes Prinzip gelten. Nur in wenigen Arbeitsbereichen und darüber hinaus nur in wenigen Einzelfällen erlauben es strenge rechtliche Anforderungen, von den sogenannten normalen Arbeitsverhältnissen abzuweichen, beispielsweise um sicherzustellen, dass die Aufgabenerfüllung, auch wenn die personellen Ressourcen zu Spitzenzeiten nicht zur Verfügung stehen, gewährleistet ist. Dort, wo sich abzeichnet, dass es sich nicht um spezifische Zusatzbedarfe über einen begrenzten Zeitraum, sondern um einen vorhersehbaren, planbaren Regelbetrieb handelt, ist die Beibehaltung, die Einhaltung unserer arbeitsmarktpolitischen Linien geboten. In diesem Fall ist es notwendig, dass die für den Geschäftsbereich zuständige Verwaltungsstelle die sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnisse identifiziert und in städtische Planstellen überführt. Dazu müssen diese Stellen schlussendlich von den dezentral verantwortlichen Dezernaten dieser Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Wo das geschieht, hat die Stadtverordnetenversammlung Gelegenheit, prekären Beschäftigungsverhältnissen entgegenzutreten; wo nicht, dann nicht.

Herzlichen Dank!

                            (Beifall)

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Meine Erfahrungen im Leistungssport haben gezeigt, dass gerade homosexuelle Sportlerinnen und Sportler aus Osteuropa noch immer massiv unter Intoleranz und Diskriminierung leiden und sich aus Angst um ihr Leben verstecken müssen. Ich glaube, dieses Projekt ist für Athletinnen und Athleten und die, die uns besuchen, ein Lichtblick und eine Inspiration, weiter für eine bessere Akzeptanz in ihren Heimatländern zu kämpfen. Das sage nicht ich, ich bin keine Leistungssportlerin, sondern das sagt die Olympiamedaillengewinnerin Imke Duplitzer. Welches Projekt meint sie damit? Die Fecht‑Sportlerin meint Outreach‑Osteuropa, ein Förderprogramm für schwul-lesbische Sportlerinnen und Sportler aus Osteuropa, ein Beitrag zur gesamteuropäischen Integrationsarbeit. Durchgeführt wird das im Rahmen des XMAS Turniers des Frankfurter Volleyball Vereins. Ein Multisportprogramm, ein ideales Forum für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Osteuropa für Austausch, Begegnung und persönliche Emanzipation, ein Stück Lebensqualität als Teil der Gay Community.

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
verehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Bürgerinnen und Bürger zu Hause an den digitalen Empfangsgeräten!

                           (Heiterkeit)

Ignoranti quem portum petat nullus suus ventus est.

                             (Zurufe)

Wenn man nicht weiß, welchen Hafen man ansteuert, ist kein Wind günstig, wusste schon der alte Seneca, und ich weiß, dass auch Sie mir dankbar sind, dass ich die Übersetzung gleich mitgeliefert habe, ich an Ihrer Stelle wäre es jedenfalls.

Wie so oft steht auch hier Inhalt und Form in stetem Widerspruch zueinander. Eine bekanntlich tote Sprache gibt uns einen Schlüssel für die zentrale Fragestellung, auch der Digitalisierung. Unsere städtischen Gedächtnisorganisationen, also Museen, Sammlungen, Archive und dergleichen, müssen sich hier einer Reihe von grundsätzlichen Fragen stellen, die ihr Selbstverständnis, ihre Arbeitsweisen und vor allem ihre Relevanz betreffen. Diese Fragen gilt es zu beantworten, um weitere Entscheidungen auf dem Weg der Digitalisierung zu treffen.

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