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jessica purkhardt illuJeder Eins-Komma-Achte bis Eins-Komma-Neunte sieht geil aus.
So exakt muss ich schon sein, wenn ich von der schwulen Szene in der Frankfurter Partnerstadt Tel Aviv erzählen will. Dieser Mittelwert ist das Ergebnis nicht nur meiner eigenen Beobachtungen der letzten Nächte, sondern berücksichtigt auch die Bewertungen anderer szenekundiger Tel Aviv-Reisender.
Die pulsierende Mittelmeer-Metropole ist längst eine der Top-Destinationen auf der internationalen Gay-Travel-Landkarte. Bars, Clubs und Restaurants reihen sich in kleinen Gassen, Hinterhöfen und Boulevards aneinander und nicht immer ist klar, wo der eine Laden anfängt und der andere aufhört. Für Ortsunkundige ist es deshalb nicht immer ohne weiteres auf den ersten Blick zu erkennen, welches Etablissement sich explizit dem LGBT*IQ-Publikum verschrieben hat.
Regenbogenfähnchen an der Eingangstür und die Navigation mit Smartphone-Apps helfen zwar ein bisschen, aber es fühlt sich anfangs doch mehr an wie eine queere Schnitzeljagd als leichtfüßiges Bar-Hopping.
Und damit hat das Gay-Nachtleben von Tel Aviv ein Merkmal mit der schwul-lesbischen Szene in Frankfurt gemein: Für Ortsfremde ist es zunächst unübersichtlich.
Deswegen hat man unlängst in der Szene einige Ideen gesammelt, um unseren Gästen von außerhalb noch unübersehbarer zu zeigen, wo LGBT*IQ in Frankfurt besonders willkommen sind.

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jessica purkhardt illuIch gebe zu überrascht gewesen zu sein, als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal Polizisten mit eigenem Stand auf einem CSD bemerkte.
Denn Infostände von Indianern, Matrosen, Bauarbeitern und Cowboys waren nirgends zu sehen.
Es konnte sich deshalb also keinesfalls um eine Wiederaufnahme der Village People handeln – sondern um echte Polizei!
Schon längst gehört nun der Pavillon des Verbandes lesbischer und schwuler Polizeibediensteter (VelsPol) auf vielen Großstadt-CSDs zum gewohnten Bild.
Und in elf Bundesländern gibt es bei der Polizei bereits Ansprechpartner*innen für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (AgL). Sie können die Strafanzeigen von Opfern LGBT*IQ-feindlicher Straftaten aufnehmen, Erstberatung geben und vermitteln nötigenfalls weiterführende Hilfe.

Die Einrichtung solcher Institutionen bei den Strafverfolgungsbehörden und die Stärkung LGBT*IQ-sensibler Polizeibediensteter sind insofern bedeutend, als dass Polizei und Justiz über den größten Teil des Bestehens der Bundesrepublik männliche Homosexualität verfolgten und queeres Leben damit insgesamt unterdrückten.

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Mit wirklich sehr, sehr guten Menschen auf dem Frankfurter Opernplatz beim LAUF FÜR MEHR ZEIT der AIDS-Hilfe Frankfurt

jessica purkhardt illuGesellschaft sei für gewöhnlich zu billig zu haben, schrieb Henry David Thoreau schon 1854.
Man treffe sich nach zu kurzen Zwischenräumen, als dass wir Zeit genug hätten, neuen Wert füreinander zu erlangen „und lassen den anderen immer wieder von dem schimmeligen alten Käse kosten, der wir sind.“
Aus diesem unappetitlichen Vergleich leitet der amerikanische Schriftsteller und Philosoph ab, dass um diese häufigen Zusammenkünfte erträglich zu machen, gewisse Regeln zu beherzigen seien – nämlich Höflichkeit und Etikette.
Man wohne ohnehin schon zusammengepfercht, sei einander im Weg, stolpere übereinander und verliere „einigermaßen den Respekt voreinander.“

Nun ist der Mikrokosmos unserer queeren Szene ein gutes Beispiel dafür. Man kennt sich und begegnet sich beim Durchstreifen der engräumig angeordneten Szenelokale, ob man will oder nicht.
Es ist sicherlich dieses vielmalige Aufeinandertreffen, das bei einigen Zeitgenoss*innen dazu führt, in dem an sich wertvollen Gut von Zusammensein und Geselligkeit irrigerweise eine überflüssige Begegnung zu sehen. Das wird oft sogleich, künstlich oder ernst gemeint, aber dann immer lautstark und theatralisch, beklagt um vielleicht einen Lacher der Umzustehenden zu erheischen.

Noch besser als wortgewandte Sticheleien auf Kosten des Gegenübers kommen aber immer der Ausdruck von Höflichkeit, Wertschätzung und Respekt bei allen anderen an.
Probiert’s mal.

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Auf dem Rückweg aus Erfurt, wo ich auf der Eröffnungsveranstaltung der Aktionswochen zum CSD Erfurt gesprochen habe und wo ich in einem Musik-Antiquariat eine sogenannte "Audiokassette" mit unbestreitbarem Titel fand.

jessica purkhardt illu"Zu mir oder zu dir", war früher die Standard-Frage zur Einleitung eines One-Night-Stands. Und sie ist es auch heute noch.

Aber heute wird sie am gewählten Verrichtungsort angekommen von der Zusatzfrage ergänzt: "Wie ist das WLAN-Passwort?"

Wozu Netzzugang für den sich anbahnenden Sex wichtig ist, darauf gibt es mehrere Antworten.

Vielleicht um auf Grindr schnell noch zu checken, ob nicht doch was Besseres in der Nähe ist.

Oder um ein bisschen Netflix weiter zu schauen, falls es langweilig wird.
Aber auch die Nach-dem-Sex-Selfies sind auf den Bilderplattformen der sozialen Medien derzeit sehr beliebt.
Jedenfalls ist WiFi–Verbindung für viele längst in der Beletage ihrer Bedürfnispyramide angelangt, in der bislang noch Schlaf, Nahrung, Unterkunft und Sicherheit Quartier gehalten hatten.

Nicht selten bedarf es in Gastronomiebetrieben der Aufbietung aller Höflichkeit des Gastes, um zunächst ein Getränk zu bestellen und erst bei seiner Lieferung das Personal nach dem WLAN-Zugang zu fragen.
Das lässt sich auch in den Läden unserer schwul-lesbischen Szene amüsiert beobachten.

Am anschaulichsten an der Autorin selbst, die an diesen Orten eben diese Zeilen verfasst und die mit den Füßen scharrend der Verbindung mit dem Internet und seinen Online-Nachschlagewerken entgegen fiebert.

Weil der Duden nun mal zu schwer für die Handtasche ist.

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Die Wangen wund geküsst, die Stimme heiser gesungen, ein paar Fingernägel abgebrochen und die Füße ein bisschen zerkratzt.
Dafür habe ich ein wunderbares Wochenende lang auf dem CSD Frankfurt mit hinreißenden Menschen gemeinsam gefeiert, diskutiert, in Stille innegehalten und sehr viel gelacht.
So muss das!

Jessica auf dem CSD Frankfurt - Bild elhit.de

Bild: ELHIT.de

Der Bevollmächtigte für Integration und Antidiskriminierung, Staatssekretär Kai Klose, informierte heute über die neue Landesförderung für den Aufbau von vier regionalen LSBT*IQ-Netzwerken in Hessen. Hierzu stellt die Landesregierung im Jahr 2018 200.000 Euro zur Verfügung, im Jahr 2019 weitere 300.000 Euro. Klose betonte hierzu: „Die Förderung tragfähiger Strukturen der LSBT*IQ-Community liegt uns als Landesregierung und mir persönlich besonders am Herzen: Ein wirksamer Abbau von Vorbehalten gegenüber LSBT*IQ ist ohne die Arbeit der vielen hessischen Vereine und Initiativen aus dem LSBT*IQ-Spektrum nicht möglich. Durch Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit sorgen sie für Sichtbarkeit in allen hessischen Regionen und stärken Vernetzung und Austausch. Erst durch ihre Arbeit wird erlebbar, dass die Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten kein abstrakter Begriff, sondern selbstverständlicher Bestandteil unseres Zusammenlebens ist. Weiterhin ist für uns wichtig, auch kleinere Initiativen in ganz Hessen durch unsere Projektförderung unterstützen. Um diese wichtige Arbeit nachhaltig abzusichern, werden wir in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt 500.000 Euro zusätzlich zu den Mitteln des Aktionsplans für Akzeptanz und Vielfalt für die Schaffung von vier regionalen LSBT*IQ-Netzwerken investieren. Diese Netzwerke werden einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Selbstorganisation von LSBT*IQ zu stärken und die Kooperationen mit öffentlichen und privaten Trägern, z. B. aus den Bereichen psychosoziale Beratung, Gesundheitsversorgung und Pädagogik, in allen Teilen Hessens auf eine stabile Grundlage zu stellen.“

Informationen zur Bewerbung:

Die Frist zur Einreichung von Anträgen endet grundsätzlich am 22.08.2018. Sie sind einzureichen beim Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, Antidiskriminierungsstelle, Sonnenberger Str. 2/2a, 65183 Wiesbaden. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration wählt aus den eingehenden Projektvorschlägen förderwürdige Anträge aus, die bis zum Ende des Jahres 2018 umgesetzt werden müssen. Die relevanten Dokumente stehen Ihnen unter https://soziales.hessen.de/integration/antidiskriminierungsshystelle/netzwerkfoerderungen als Download zur Verfügung.

jessica purkhardt illuEin lebloses Salatblatt, auf dem eine ausgeweidete Tomate treibt. Gefriergetrocknete Schnittlauchschnipsel, manchmal eine Prise Paprikapulver, Tupfer von Balsamico-Créme, seltener sogar essbare Blüten.

So finden wir hier hierzulande meist unsere Tellerränder dekoriert.

Was uns natürlich nicht davon abhalten soll, immer wieder über eben diese Tellerränder hinauszublicken.

Eine Binsenweisheit, die im Bezug auf Gaumenfreuden dennoch genauso richtig ist, wie hinsichtlich der Teilnahme an CSD- und Pride-Veranstaltungen.

Letzteres haben ein gutes Dutzend Mitglieder von ERMIS in diesem Jahr in die Tat umgesetzt. Der Zusammenschluss von griechischstämmigen Lesben und Schwulen, von denen ein großer Teil im GAB-Verbreitungsgebiet lebt, nahm zum ersten Mal am noch vergleichsweise jungen „Athens Pride“ teil und es bedurfte keines Wortes der Überredungskunst um auch die Autorin dieser Zeilen zur Teilnahme an jener Exkursion über den Tellerrand hinaus zu bewegen.

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