360°-Skippertraing Biskaya - Tag 8 - Zug um Zug

Während gestern Abend der Rest unserer Segelcrew zum Abschluss des Törns noch in einer Bar im Hafen einen trinken ging, verabschiedete ich mich vorzeitig, um früh in meine Koje zu kommen, weil der Rückreisetag absehbar anstrengend werden würde. Voll ausgeschlafen erwachte ich deshalb heute Morgen. Mein Segelsack war schnell mit dem wenigen Gepäck gefüllt und der gemeinsame Fußmarsch zum Bahnhof von Rochefort nahm nicht mehr als eine Viertelstunde in Anspruch. Wir verabschiedeten uns voneinander und alle bis auf mich stiegen in den Zug nach Paris. Ich musste noch ein paar Minuten auf meinen TGV nach Bordeaux warten. Weil ich meine Rückfahrt erst sehr spät gebucht hatte, waren alle anderen Verbindungen zwischen Rochefort und Frankfurt schon ausgebucht. So zahlte ich nicht nur Lehrgeld für eine unnötige Fahrt in der 1. Klasse, sondern musste auch einmal mehr umsteigen. Den Fernverkehr in Frankreich erlebte ich bislang aber als zuverlässig, so dass ich mir wegen des zusätzlichen Zwischenhaltes keine Sorgen machte. Nur der Transfer zwischen den Pariser Bahnöfen Montparnasse und Est sollte herausfordernd werden, denn mir blieb weniger als eine Stunde Zeit, um mit der Metrolinie 4 zwischen den beiden Fernbahnhöfen zu wechseln.

Ein Mitglied meiner Segelcrew hatte auf der Hinfahrt in weiser Voraussicht drei Fahrkarten für die Metro erworben und mir freundlicherweise die eine Überzählige vermacht. Das sparte Zeit, die ich nicht noch in der Warteschlange vor dem Fahrkartenautomaten verbringen musste. In der Metro erinnerte ich mich auch noch zweier fertig geschriebener Postkarten in meinem Rucksack. Ich erreichte den Gare de I'Est rechtzeitig, fand auf dem Weg zu meinem Gleis einen Briefkasten, zeigte mein blaues Armband vor, mit dem man mir am Bahnhof in Bordeaux mein gültiges Impfzertifikat quittiert hatte und saß erleichtert im ICE nach Frankfurt.
Kurz nach der Abfahrt erklang jedoch leider die Durchsage, dass der Zug der Deutschen Bahn einen Defekt habe, nicht mit der üblichen Geschwindigkeit von über 300 Kilometern in der Stunde fahren könne und deshalb eine Verspätung von über einer Stunde zu erwarten sei. "Aufgrund unserer geringen Geschwindigkeit, werden wir nun von mehreren TGVs überholt", musste das Zugpersonal durchsagen.